Nicht jedes Hundefell ist gleich – und „einmal die Woche bürsten“ ist längst nicht für jeden Hund die richtige Faustregel. Wer den Felltyp seines Hundes kennt, kann Pflegefehler vermeiden, die auf Dauer zu Verfilzungen, Hautreizungen oder unnötigem Stress beim Bürsten führen.

Die wichtigsten Felltypen im Überblick

 

  • Kurzhaar: Kurze, glatt anliegende Deckhaare von 1–2 cm Länge (z. B. Mops, Dalmatiner, Vizsla). Manche Kurzhaarrassen haben zusätzlich dichte Unterwolle, andere kaum. Verfilzen kann dieses Fell praktisch nicht, dafür haaren viele Kurzhaarhunde ganzjährig gleichmäßig.

  • Stockhaar (Kurz- und Langstockhaar): Das mittellange, dichte Fell vieler Rassen wie Deutscher Schäferhund oder Rottweiler, unterteilt in Kurzstockhaar (3–4 cm) und Langstockhaar (5–10 cm). Faustregel: Je länger das Fell und je dichter die Unterwolle, desto höher der Pflegeaufwand.

  • Langhaar / Seidenhaar: Langes, weich fließendes Haar (z. B. Cocker Spaniel, Border Collie). Echte Seidenhaar-Rassen wie Malteser oder Yorkshire Terrier besitzen keine Unterwolle. Ohne regelmäßiges Kämmen neigt ihr Fell am gesamten Körper schnell zu Verfilzungen – besonders an Reibungsstellen wie hinter den Ohren, in den Achseln und am Bauch.

  • Locken- / Wellhaar: Langes, gewelltes bis krauses Fell, typisch für Pudel oder Wasserhunde. Diese Rassen besitzen meist keine klassische Unterwolle, haaren nicht von selbst und unterliegen keinem natürlichen Fellwechsel. Abgestorbene Haare bleiben im gelockten Fell hängen. Regelmäßiges Bürsten, Trimmen oder Scheren ist daher unerlässlich.

  • Rauhaar / Drahthaar: Griffiges, drahtiges Deckhaar, wie bei Foxterrier, Schnauzer oder Rauhaardackel. Wird in der Regel regelmäßig getrimmt (ausgezupft) statt geschnitten, um die charakteristische Struktur und Schutzfunktion zu erhalten.

  • Doppelfell (Double Coat): Kein eigenständiger Haartyp, sondern eine strukturelle Eigenschaft: Deck- und Unterhaar bilden bei diesen Rassen (z. B. Husky, Samojede, Golden Retriever) zusammen eine doppelte Isolationsschicht.

 

Wie oft sollte gebürstet werden?

 

  • Kurzhaar (wenig Unterwolle): etwa 1x pro Woche

  • Kurzhaar / Stockhaar mit viel Unterwolle: im Fellwechsel alle 1–2 Tage

  • Langhaar mit dichter Unterwolle: mehrmals pro Woche, im Fellwechsel täglich

  • Seidenhaar / Lockenhaar: mehrmals pro Woche gründlich kämmen, da abgestorbenes Haar nicht von alleine ausfällt

 

Der Doppelfell-Sonderfall: Warum Scheren im Sommer meist keine gute Idee ist

Bei Hunden mit Doppelfell hält sich hartnäckig der Gedanke, Scheren würde im Sommer gegen die Hitze helfen. Tatsächlich gilt oft das Gegenteil: Deck- und Unterhaar wirken bei diesen Rassen wie eine natürliche Klimaanlage – sie isolieren im Sommer gegen Hitze genauso wie im Winter gegen Kälte. Wird das Fell zu kurz geschoren, ist die Haut ungeschützt der Sonneneinstrahlung ausgesetzt, was das Risiko für Sonnenbrand, Hautreizungen und langwierige Fellschäden (Post-Clipping-Alopezie) erhöht.

Betroffen sind vor allem Rassen mit ausgeprägtem Doppelfell wie Husky, Samojede oder Schäferhund. Bei ihnen reicht in der Regel gründliches Bürsten und professionelles Auskämmen der Unterwolle („Auswollen“) – Scheren ist meist nur aus medizinischen Gründen und nach tierärztlicher Empfehlung sinnvoll.

 

Was das für die richtige Pflege bedeutet

Unabhängig vom Felltyp gilt: Rückstände von minderwertigem oder nicht richtig ausgespültem Shampoo können den natürlichen Schutzmantel der Haut beeinträchtigen. Gründliches Ausspülen ist bei jedem Felltyp wichtig, besonders aber bei dichtem oder langem Fell.

Für stark zu Verfilzung neigendes Fell (Lockenhaar, Seidenhaar) hat sich ein entwirrendes Pflegespray zum Auskämmen zwischen den Wäschen bewährt. Bei strapaziertem oder besonders trockenem Fell – etwa nach intensiver Sonneneinstrahlung oder frequentiertem Schwimmen – kann eine reichhaltige, reparierende Pflege sinnvoll sein.

Fazit

Der Felltyp entscheidet nicht nur über die Optik, sondern maßgeblich darüber, wie oft und wie ein Hund gepflegt werden sollte. Wer seinen Hund häufiger bürstet als nötig oder seltener als notwendig, riskiert entweder unnötigen Stress für den Hund oder vermeidbare Verfilzungen. Der erste Schritt zur richtigen Pflege ist deshalb simpel: den eigenen Felltyp einmal genau bestimmen, statt pauschale Ratschläge zu befolgen.

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